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Hauskatzen am Topkapi

Jagdverhalten der Langschwanzkatze

Langschwanzkatze / Margay;

Jungtier (C) Falkena / Skupin

Zur Beute der Katzenarten der Neuwelt gehören neben anderen Säugetierarten auch Affen. In den Ausscheidungen der Neuweltkatzen werden oft Überreste von kleinen und größeren Primaten gefunden. Bereits 1940 stellten Cabrera und Yeppes fest, dass Primaten in einigen Regionen Zentralamerikas zur bevorzugten Beute des Jaguarundi gehören. In Kotproben des Ozelot (Leopardus padalis) aus neuerer Zeit (Miranda et al.) wurden im Jahre 2005 Finger und Nägel des Braunen Brüllaffen (Alouatta guariba clamitans) gefunden. Die Größe von Katze und Beutetier scheint bei der Jagd auf Primaten in direkter Verbindung zu stehen.

Die meisten Neuweltaffen sind tagaktive Tiere, die sich bevorzugt in den Baumkronen aufhalten und selten bis nie Bodenkontakt haben.

In einer Untersuchung im Jahre 2005 (de Oliveira, Röhe und Gordo) wurde versucht, die Jagdtechnik der Langschwanzkatze (Leopardus wiedii), engl.: Margay zu erforschen, da diese morphologisch an ein aboreales Leben (d.h. ein Leben auf Bäumen) angepasst sind. Leider gab es bisher keine veröffentlichten Berichte über die Jagdstrategie der Langschwanzkatze.

Die wenigen Studien, die überhaupt über den Margay existierten ließen vermuten, dass seine Nahrung hauptsächlich aus baumbewohnenden Säugetieren besteht (Beebe, 1925; Studien über den tropischen Regenwald in Guayana). Mondolfi analysierte im Jahre 1986 den Mageninhalt von Langschwanzkatzen und fand Reste von Costa-Rica-Hörnchen (Sciurus granatensis) einer mittelamerikanischen Eichhörnchenart sowie Braunen Kapuzineräffchen (Cebus olivaceus). Beobachtungen von Margays in Gefangenschaft (Oliveira, 1998) zeigten, dass Langschwanzkatzen jagd auf Schwarzhandtamarine (Saguinus niger) machten.

Im Zuge der Feldforschungen über die Langschwanzkatze wurden zunächst Bewohner des Amazonas-Regenwaldes (Waldläufer und Urwaldbewohner) in den verschiedenen Regionen Amazoniens über die biologische Vielfalt, die heimischen Katzen und ihr Beutefangverhalten befragt. Interessanter Weise wurde von mehreren der Befragten angegeben, die Neuweltkatzen würden ihre Beute durch die Nachahmung von "Lautäußerungen" ihrer Beutetiere anlocken. Mehr als ein Dutzend der Befragten berichteten von der Nutzung entsprechender Techniken durch Puma (Puma concolor), Jaguar (Panthera onca) und Ozelot (Leopardus pardalis) und dass in den verschiedensten Einzugsgebieten (Madeira, Juruá und Purus). Wissenschaftliche Beobachtungen und Erklärungen über dieses Phänomen wurden bisher nicht veröffentlicht.

Erstmals gelang eine entsprechende Feldbeobachtung den Wissenschaftlern de Oliveira, Röhe und Gordo im Adolpho-Ducke-Florestal-Naturschutzgebiet nahe der Stadt Manaus, Brasilien.

Aus dem Beobachtungsprotokoll:

"12. Oktober 2005, 09.13 Uhr;
wir beobachten eine Gruppe von acht Zweifarbentamarinen (Saguinus bicolor) bei der Nahrungsaufnahme auf einem großen Feigenbaum. Der Baum ist durch eine große Weinranke in 15 Metern Höhe mit den umliegenden Bäumen verbunden.

09.18 Uhr;
ein Margay erweckt die Aufmerksamkeit eines Tamarin-Wächters durch Ruflaute die wie die Laute von Tamarin-Jungtieren klingen. Der ausgewachsene, männliche Affe klettert am Feigenbaum herauf und herunter um die Herkunft der Laute zu untersuchen. Der kleine Primat nimmt eine aufmerksame Haltung ein und informiert die Gruppe mit einer Folge besonderer Laute.

09.22 Uhr;
wir sehen Bewegungen in den Reben und hören immer wieder die Imitation der Affenbabylaute.

9:29 Uhr;
wir erkennen drei Zweifarbentamarinen die im Ficus fressen, während der Tamarin-Wächter weiterhin die Umgebung im Auge behält.

9.40 Uhr;
vier der Affen reagieren auf die erneuten Rufe des Wächters und klettern im Baum hin und her - in diesem Moment sehen wir eine schmale Katze auf großen Pfoten, sie hat große Augen und einen langen Schwanz die wie ein Eichhörnchen den Stamm eines der Bäume hinunterklettert, schnell auf eine der Lianen springt, die mit dem Feigenbaum verbunden ist und sich hinauf bewegt, zu der Stelle an der die Primaten fressen. In diesem Moment stösst der Wächter einen schrillen Warnlaut aus und die Primatengruppe flüchtet sofort."

Erstmals können somit die durch Erzählungen vorliegenden Berichte über die Imitation von Lauten ihrer Beutetiere durch südamerikanische Feliden bestätigt werden.

"In unseren Beobachtungen", so die Wissenschaftler, "war die vom Margay verwendete Strategie, seine Beute zu imitieren und einen der Primaten zu fangen, nicht erfolgreich." Trotzdem sind die Wissenschaftler überzeugt, dass diese Strategie beim Beutefang sehr effektiv ist, da sie den Angriff erleichtert und den Energieverbrauch während einer möglichen Verfolgung reduziert.

Seltsamerweise geben alle potentiellen Beutetiere (Agutis, Grausteißtinamus und Nambus, eine Art von Fasanen) die von den amazonischen Einwohnern bei den Befragungen erwähnt wurden Laute von sich, die möglicherweise dem stimmlichen Potential der Katzen entsprechen. Darüber hinaus verwenden all diese Beutearten Lautäußerungen zur intra-spezifischen Abgrenzung ihrer Territorien wodurch sich die Chance der Katzen auf erfolgreichen Beutefang durch Nachahmung erhöhen würde.

Quelle: 15