Hauskatze
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Gepard
Hauskatzen am Topkapi

Sexualverhalten

Hauskatzen bei der Paarung

Paarung von Hauskatzen

Foto: David Shankbone / Wikipedia

Katzen sind - wie bereits erwähnt - mehrfach im Jahr paarungsbereit. Die Paarungsbereitschaft hängt von verschiedenen Faktoren, hauptsächlich jedoch von der Jahreszeit (d.h. von der Tageslichtdauer und setzt ein, sobald diese 12 Stunden täglich erreicht) ab. Man spricht bei Katzen davon, dass sie "saisonal polyöstrisch" sind, was soviel bedeutet, dass sie mehrfach im Laufe der entsprechenden Jahreszeit (Saison) paarungsbereit werden können. Dies gilt allerdings nur für die weiblichen Exemplare. Geschlechtsreife Kater können und wollen quasi immer.

Ist die Katze paarungsbereit, d.h. "rollig", so ist dies selbst für uns Menschen unschwer erkennbar. Rollige Katzen sind unruhig, wälzen (rollen) sich auf dem Boden hin und her und markieren ihre Umgebung meist durch Krallenschärfen, beispielsweise an Wänden und Möbeln. Außerdem geben sie verstärkt "Köpfchen", d.h. sie stupsen und reiben ihren Kopf an Bezugspersonen und Gegenständen ihres Territoriums. Hinzu kommt ein ständiges - mehr oder weniger melodisches - Rufen der Tiere, dessen Intensität und Lautstärke nicht zuletzt von der Rasse aber durchaus auch vom einzelnen Individuum abhängt.

Vorsicht übrigens, wenn ein potenter Kater im Haus ist. Kater bemerken die nahende bzw. anwachsende Paarungsbereitschaft einer Katze bereits einige Zeit, bevor dem Menschen aufgrund des offensichtlichen, kätzischen Verhaltens bewusst wird, das es mal wieder soweit ist. - Da kann es schnell vorkommen, dass die Katze bereits gedeckt wurde, bevor Mensch entsprechende Sicherheitsmaßnahmen einleiten konnte.

Grund für die Früherkennung der Rolligkeit der Katze durch den Kater sind sogenannte Pheromone. Diese chemischen Botenstoffe dienen der Biokommunikation (genauer: der Chemokommunikation) von Lebewesen. Eines der Pheromone, die bei der Rolligkeit von Katzen eine Rolle spielen, ist die Valeriansäure, eine unangenehm riechende Carbonsäure, die mit der Buttersäure verwandt ist und aus der Wurzel des Baldrian gewonnen werden kann. Pheromone werden von anderen Katzen (... auch dem Kater) beispielsweise bei der Analkontrolle "erschnüffelt" und liefern vielfältige Informationen - über Gesundheitszustand, Paarungsbereitschaft und anderes.

Eigenschaft der im Vaginalsekret enthaltenen Valeriansäure ist beispielsweise die Stimulation des Männchens. In Katzengruppen kann zudem oftmals beobachtet werden, dass sobald eine Katze rollig wurde, die anderen potenten Weibchen der Gruppe binnen weniger Tage nachziehen. Auch an diesem Phänomen ist die Valeriansäure beteiligt, die hier als Auslöser der Rolligkeit wirkt. - Eine sinnvolle Einrichtung der Natur, denn hierdurch wird sicher gestellt, dass die Kätzinnen einer Gruppe oder eines Rudels sich bei der Aufzucht der Jungen unterstützen können.

Der Zyklus der Katze

Die Dauer des Sexualzyklus der Katze hängt davon ab, ob eine Deckung stattfindet oder nicht. Bei einer ungedeckten Katze dauert der Zyklus etwa 2 bis 4 Wochen (15 bis 28 Tage). Dieser Zyklus wird als anovulatorisch bezeichnet, da der Eisprung bei der Katze durch den Deckakt ausgelöst wird, dieser jedoch nicht stattgefunden hat.
Bei einer Katze, die gedeckt wurde (jedoch nicht aufgenommen hat) würde der Zyklus hingegen etwa 6 bis 7 Wochen (40 bis 50 Tage) dauern.

Der Zyklus der Katze lässt sich in vier Phasen unterteilen.

In der ersten Phase (Proöstrus) reifen die Eizellen binnen 1 bis 3 Tagen in den Eierstöcken der Katze heran. Gleichzeitig bereitet sich der Katzenkörper auf eine mögliche Paarung vor, der Östrogenspiegel im Blut steigt und die Uterushörner nehmen an Größe zu um die Zuleitung von Spermien zu begünstigen. Während bei anderen Tierarten bereits zu diesem Zeitpunkt auch die Vulva des Weibchens anschwillt, sind zu diesem Zeitpunkt bei der Katze noch keine Veränderungen der äußeren Geschlechtsorgane feststellbar. Einzig feststellbare Veränderungen sind bei der Katze zu diesem Zeitpunkt die langsam abnehmende Aggressivität gegenüber Katern und ein stetig zunehmendes Verlangen sich verbal zu äußern. Die Tiere werden zudem anhänglicher und reiben ihr Köpfchen zunehmend an Gegenständen.

Mit Eintritt in den Östrus, die zweite Phase, ist die Katze paarungsbereit und wird aktiv nach einem Sexualpartner suchen. Die Katze ist nun unruhig, krümmt und wälzt sich über den Boden und verstärkt die Lautgebung nochmals. Auch zunehmendes Sozialverhalten sowie das Einnehmen der Brunststellung (hockend mit gestreckten Hinterbeinen und durchgebogenem Rücken) können beobachtet werden. Der Schwanz wird in der Brunststellung seitlich gehalten, die Katze präsentiert sich einem möglichen Geschlechtspartner.
Der Östrogenspiegel sinkt in dieser Zeit bereits wieder ab. In den Eierstöcken stehen jetzt bis zu 12 reife Eizellen für eine mögliche Befruchtung bereit. Der Eisprung wird regelmäßig erst durch die Deckung des Weibchens ausgelöst (provozierter Eisprung) und erfolgt binnen 24 bis 30 Stunden nach dem Akt. Sofern ein Deckakt stattfand dauert der Östrus zwischen 2 und 4 Tagen, ohne Deckakt bis zu 15 Tage.

Die dritte Phase des Sexualzyklus der Katze wird als Metöstrus bezeichnet. Die Rolligkeit der Katze nimmt ab und die Paarungsbereitschaft erlischt schließlich.

Phase Vier, der Anöstrus ist der Zeitraum, in dem die Sexualität der Katze, aufgrund der abnehmenden Tageslichtdauer, ruht. Diese Phase beginnt (auf der nödlichen Erdhalbkugel) etwa im September und dauert bis Ende Dezember an.

Der Deckakt

Sexualverhalten Löwe 16

Löwenliebe 16

© Marcus Skupin

Ob und wann eine Begattung zugelassen wird, entscheidet allein die Katze. Zu Beginn der Rolligkeit wird ein in die Nähe kommender Kater oft noch vertrieben in dem das Weibchen faucht und / oder nach ihm schlägt. Vielfach kann beobachtet werden, dass ein Kater stundenlang um "sein" Weibchen werben muss, sich vorsichtig nähert, hinter der Katze herläuft, sie beriecht und - wenn er Glück hat - schnell genug zur Seite springt, wenn seine "Angebetete" sich rasch zu ihm umdreht und die Pfote erhebt.

Ist die Katze schließlich zur Paarung bereit, duckt sie sich nieder, hebt den Hinterleib an und drückt ihren Schwanz seitlich, während sie mit den Hinterbeinen tänzelt (Brunststellung). Der Kater fasst die Katze mit den Zähnen im Nackenfell und hält sie somit fest, während er den Deckakt vollzieht. Die Katze fällt durch den Nackenbiss in Tragstarre und ist damit weitestgehend bewegungsunfähig.

Nach der nach einigen Sekunden stattfindenden Ejakulation zieht der Kater den mit Papillen (kleinen Widerhaken) besetzten Penis zurück, was bei der Katze den typischen Begattungsschrei und gleichzeitig auch nach etwa 24 bis 36 Stunden den Eisprung auslöst (induzierte Ovulation), denn beim Deckakt stimuliert der Penis des Katers Sinneszellen (Mechanorezeptoren) in der Scheidenwand der Katze. Hierdurch wird das in der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) produzierte Luteinisierende Hormon (LH) freigesetzt, das die Reifung der Eizellen bewirkt. Allerdings reicht eine einzelne Kopulation meist nicht aus um den erforderlichen LH-Spiegel zu bewirken. Um die Mindestkonzentration von LH im Blut der Katze zu erreichen, sind regelmäßig mehrere Kopulationen (3-5) innerhalb eines Zeitraumes von etwa 2 bis 3 Stunden erforderlich.

Nach vollzogenem Deckakt sollte sich der Kater schnell genug "trollen" wenn er nicht mit den scharfen Krallen seiner Partnerin Bekanntschaft machen möchte.

fetus of cat

Katzenföten (Hauskatze)

© Marcus Skupin, 2013

Während des Östrus sind Mehrfachdeckungen durch einen oder mehrere Kater möglich, so dass der Nachwuchs bei der Geburt unterschiedlich weit entwickelt sein und theoretisch sogar mehrere Väter haben kann.

Hat die Katze aufgenommen, beginnt die pränatale Entwicklung, nach der - bei Haus- und Rassekatzen - nach etwa 63 bis 65 Tagen der Nachwuchs zur Welt kommen wird. Bei den unterschiedlichen Wildkatzenarten weicht die Dauer der Trächtigkeit ab.

Führt die Ovulation nicht zur Trächtigkeit, so wird der Zyklus der Katze durch eine dann auftretende Lutealphase auf den Zeitraum von bis zu 50 Tagen verlängert.

Übrigens: Die Reproduktionsfähigkeit der Katze ist zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr am besten. Danach sinkt die Fruchtbarkeit ab. Katzen, die älter als 8 Jahre alt sind sollten daher nicht mehr zur Zucht eingesetzt werden.